Juni 2008


Mein letzter Umzug ist zum Glück schon eine ganze Weile her. Aber immer, wenn ich das Bild mit den Bücherstapeln auf dem Fußboden sehe, packt mich wieder das Grauen. Ich habe die Kisten nicht gezählt, aber es waren viele. Sehr viele. Das Wiedereinräumen in die Regale dauerte ganz schön lange. Und ist eigentlich immer  noch nicht abgeschlossen.

Das Altwerden ist eine dumme Angewöhnung! Nichts Anderes! Wir kommen der lahmen und hinfälligwerdenden Natur ja immer auf halbem Wege entgegen! Nehmen Sie schon in der Jugend! Der Knabe quält sich förmlich ab, ein Jüngling zu werden! Er raucht Cigarren, daß ihm grün und gelb vor den Augen wird! Er bindet sich Cravatten um den Hals und kräht Alt wie ein Hahn, während er noch den reinsten Kanarienvogelsopran in der Kehle hat! Ist er dann mit Ach und Krach ein Jüngling geworden, so quält er sich schon wieder ein Mann zu sein! Er will heirathen, solid werden, spricht vom Glück der Ehe und sieht Kinder an der Mutterbrust neben sich und schaukelt schon welche auf den Knieen. Gut! Dann wird er ein Mann! Nun will er gravitätisch erscheinen und spricht von seiner Würde. Bequemlichkeit wird die Belohnung seiner Anstrengungen, Brot zu verdienen. Auf den Bällen tanzt er nicht mehr. Mit den gesundesten Schenkeln gebehrdet er sich wie ein Casinogast und spielt Whist. Setzt er sich ans Klavier, so konnt’ er sonst ganz leidlich singen. Er kann es auch noch; aber aus Bequemlichkeit hebt er nicht mehr die volle Brust, sondern stöhnt und ächzt und läßt die Flügel hängen. So geht Das fort, bis dann natürlich das Alter wirklich da ist und die Natur frohlockt, ihren Sieg über den Geist davongetragen zu haben. Nein, nein, Doktor, sagen Sie’s allen Ihren Patienten! Das Alter ist nichts als eine dumme Angewöhnung.

(Karl Ferdinand Gutzkow „Die Ritter vom Geiste“, S. 911f.)

Auch wenn man den Eindruck bekommt, da passiert nichts. So einen Brocken, wie „Die Ritter vom Geiste“, liest man nicht von heute auf morgen (ich bin immerhin schon im dritten Buch).

Wenn ich nächstens die Zeit finde, werde ich die Liste mal in die Vergangeheit verlängern. Da wird man dann sehen, daß ich auf mehr als ein Buch pro Jahr komme. ;-)

Die Frankfurter Rundschau liefert mit „Mögen Sie Käse?“ ein zweistündiges Interview mit Jonathan Littell, dem Autor von „Die Wohlgesinnten“.

Es ging in dem Gespräch unter anderem um Käse, die Ablehnung von Preisen, Sex, Krieg und Gewalt, das Schreiben, Religion und Peter Handke.

Das Interview hat mir richtig Lust gemacht, „Die Wohlgesinnten“ doch noch zu lesen. Littell ist kantig und direkt. Das gefällt mir.

Die Internationalen Organisation für Normung (ISO) hat nun eine internationale Norm für das ß als Großbuchstaben vorgelegt (siehe Heise News).

Darauf haben wir doch schon ewig gewartet, oder?

Immer mehr Darwin Award Kandidaten kommen aus Deutschland. Fälle wie dieser lassen hoffen, daß langfristig gesehen Deutschlands PISA Ergebnisse wieder besser werden.

Im Artemis & Winkler Literaturkalender ist in der Woche 26 gleich zweimal der Geburtstag von Luigi Pirandello eingetragen: einmal für Donnerstag (26.06.) und einmal für Sonnabend (28.06.).

Wie kommen wohl solche Fehler zustande?

Endlich ist es da! Das Heft Nr. 4 des Literaturschock-Magazins enthält unter anderem ein Interview mit Andreas Eschbach, Literaturtips zu „Insel-Büchern“, eine Erklärung, was ein Buch ist, Tips zur Buchaufbewahrung, den neuen Teil des Fortsetzungsromans „Der Bücher schwarzes Blut“ und einige Berichte von Leserunden.

Berliner Schüler demonstrierten gestern gegen die Wiederholung ihrer Mathematik-Prüfung. Ja, es ist wirklich eine Zumutung, von Schülern einen Nachweis ihres Könnens zu fordern. Und das auch noch zweimal auf dem selben Gebiet.

Im ZVAB-Blog findet sich unter der Überschrift „1213141516 – tempus fugit“ Interessantes und Wissenswertes zum Thema Kalender und Kalenderreformen.

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