Normalerweise lasse mich mich nur selten zu  einer Rezension hinreißen. Aber Jim al-Khalilis Buch “Im Haus der Weisheit” hat es verdient, daß ich ein paar Zeilen darüber schreibe. Der Untertitel “Die arabischen Wissenschaften als Fundament unserer Kultur” umreißt schon klar und deutlich, worum es geht.

al-Khalili beschreibt den Aufstieg der arabischen Wissenschaften im 8. Jahrhundert und den Einfluß, den die antiken Wissenschaften dabei hatten. Er führt den Leser in die Wissenschaftszentren der damaligen Zeit und stellt berühmte und bedeutende Wissenschaftler vor. Wobei berühmt und bedeutend aus unserer europäischen Sichtweise nicht unbedingt immer das selbe sein muß. Auch beschreibt er, wie der Staffelstab an die Europäer in der Renaissance zurückgegeben wurde und danach die Entwicklung im arabischen Raum immer mehr stagnierte. Die Religion hatte wie immer dabei einen unrühmlichen Anteil. Das letzte Kapitel über die heutige Situation ist auch eine Aufforderung an die arabische Welt, sich ihrer Wurzel zu erinnern.

Einige der von al-Khalili genannten Namen hat man schon mal irgendwo gehört oder gelesen (z.B. Ibn Sina, al-Biruni). Aber diese konzentrierte Darstellung und der profunde Überblick über die verschiedensten Fachgebiete (Astronomie, Mathematik, Physik, Medizin, Philosophie) den er in dem Buch liefert, ergeben einen ganz anderen Blick auf die Wissenschaftsgeschichte und den Einfluß der arabischen Wissenschaften auf die europäische Welt.

Das Buch kann ich jedem, der nur ein wenig an Wissenschaftsgeschichte interessiert ist, wärmstens an Herz legen. Es liest sich flüssig, ist spannend, und trotzdem ist es keineswegs oberflächlich. Man merkt dem Ganzen deutlich an, daß die Vermittlung der umfangreichen und detaillierten Informationen al-Khalili ein äußerst wichtiges Anliegen ist.

Mich hat er erreicht. Ich hatte in dem Buch viele Aha-Erlebnisse. Und ich hoffe, daß es noch vielen anderen so gehen wird.

“Höchste Zeit also, dass die Insel des zweiten Gesichts wieder mehr gelesen und weniger als “Geheimtipp” empfohlen wird.”

Christian Köllerer über Albert Vigoleis ThelenDie Insel des zweiten Gesichts”

“Die Ritter vom Geiste” sind ein sehr umfangreicher Roman (3600 Seiten) über die Zeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Arno Schmidt war ein großer Verehrer dieses Werkes und hat es aus der literarischen Versenkung geholt.
Der Roman spielt in der Zeit nach der Revolution 1848 in Berlin. Gutzkow erwähnt nie den Ort. Aber er ergibt sich aus dem Kontext. Protagonisten aus allen Bevölkerungsschichten werden in die Handlung einbezogen. Dadurch erhält man ein sehr lebendiges Bild der damaligen Zeit. Wobei Gutzkow den vierten Stand lebendiger beschreibt als den Adel. Die sogenannten Ritter vom Geiste sind ein Geheimbund, der durch seine Mitglieder Gutes in der Gesellschaft bewirken will. Man betrachtet sich als den legitimen Nachfolger der Templer.
Viele der anfänglich unabhängig eingeführten Personen erweisen sich im Laufe der Geschichte in der einen oder anderen Weise miteinander verbunden/verwandt.
Gutzkow bezeichnet im Vorwort seinen Roman als einen Roman des Nebeneinander. Manchmal ist es eher ein Durcheinander. Durch die Länge des Romans ergeben sich viele Durststrecken. Leider ist Gutzkow eher ein Journalist als ein Literat. Er bringt oft stammtischparolenhaltige Gespräche, die seine politische Überzeugung vermitteln sollen. Es gab einige Passagen, an denen ich mich gut unterhalten gefühlt habe, aber die reichten nicht über die ganze Länge des Romans. Ich kann diesen Roman nur Leuten mit viel Durchhaltevermögen empfehlen.

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