Wer mehr als 1 Dutzend ‘Gesamtausgaben’ besitzt, ist ein Charlatan ! – Oder aber : er hat sie nicht gelesen.

(Arno Schmidt “Die Gelehrtenrepublik”, BA I/2, S. 317)

Auf dem “Dringend lesen!”-Stapel liegen 78 Bücher, drum herum weitere drei- bis vierhundert. Und böse Menschen schenken mir immer neue Bücher, und wenn sie besonders böse sind, dann schenken sie mir auch noch interessante Bücher.

(Helmut Krausser, Tagebuch des Januar 2001, 01.01.2001)

Den Geisteswissenschaften wurde es zum Ver­hängnis, daß sie ohne großen materiellen Aufwand betrie­ben werden können. Wenn die Eintreibung von Drittmit­teln zum Qualitätskriterium einer Wissenschaft wird, wird der zum Versager, der solche Mittel gar nicht benötigt, weil ein Kopf zum Denken genügt. Ein kleines geisteswissen­schaftliches Institut, das kaum mehr kostet als ein Professor und seine Assistenz, aber nur wenige Absolventen aufzuwei­sen hat, muß deshalb aus Kostengründen geschlossen wer­den; die paar hundert Millionen Euro, die für ein schlecht geplantes Technologieinstitut so nebenbei in den Sand ge­setzt werden, fallen demgegenüber nicht weiter ins Gewicht.

(Konrad Paul  Liessmann „Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft“, S.125)

Es ist schon erstaunlich, daß Wissenschaftler, die noch vor ein paar Jahren glaubten, gesellschaftliche Entwicklungen kritisch auf den Begriff bringen zu können, angesichts dummdreister Sprechblasen aus dem Jargon des New Mana­gement nahezu widerstandslos kapitulieren. Daß es nie­mand mehr auffällig findet, wenn Universitätslehrer zur Nachbesserung ihrer hochschuldidaktischen Fähigkeiten zu einer Unternehmensberaterin mit abgebrochenem Psychologiestudium geschickt werden, daß es niemand anstö­ßig findet, wenn Kandidaten für eine Professur oder Assi­stentenstelle sich im Assessment Center produzieren müssen, daß niemand aufschreit, wenn die letzten Ladenhüter der Unternehmensideologien den Universitäten als der neueste Schrei verkauft werden – vom Blended Learning über Diversity Management bis hin zur »Wissensbilanz« -, sagt eigentlich alles über die Widerstandskraft der institutiona­lisierten Wissenschaft gegenüber dem Zeitgeist: Sie ist so gut wie nicht vorhanden.

(Konrad Paul  Liessmann „Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft“, S.122f.)

Was die Bildungsreformer aller Richtungen eint, ist ihr Haß auf die traditionelle Idee von Bildung. Daß Menschen ein zweckfreies, zusammenhängendes, inhaltlich an den Traditionen der großen Kulturen ausgerichtetes Wissen aufweisen könnten, das sie nicht nur befähigt, einen Charakter zu bilden, sondern ihnen auch ein Moment von Freiheit gegenüber den Diktaten des Zeitgeistes gewährt, ist ihnen offenbar ein Greuel. Gebildete nämlich wären alles andere als jene reibungslos funktionierenden flexiblen, mobilen und teamfähigen Klons, die manche gerne als Resultat von Bildung sähen.

(Konrad Paul  Liessmann “Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft”, S. 52f)

Wissen kann deshalb nicht konsumiert werden, Bildungsstätten können keine Dienstleistungsunternehmen sein, und die Aneignung von Wissen kann nicht spielerisch erfolgen, weil es ohne die Mühe des Denkens schlicht und einfach nicht geht.

(Konrad Paul  Liessmann “Theorie der Unbildung. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft”, S. 31)

Was unter dem Namen Religion umgeht, ist bestenfalls, wie ich Ihnen in Wien schon sagte, etwas Ähnliches wie Lebertran. Man sagt, es kräftige, aber es ist unangenehm zu schlucken, und es hilft nicht viel.

(Friedrich Glauser “Matto regiert”, S. 106)

Ich lese zur Zeit den ersten Band der Arno Schmidt Werkausgabe (BA I/1).  Hier ein paar gesammelte Zitate aus “Brand’s Haide”.

Wenn ich tot bin, mir soll mal Einer mit Auferstehung oder so kommen : ich hau ihm eine rein !

(Arno Schmidt, “Brand’s Haide”, BA I/1, S. 129)

von mir aus kanns jüngste Gericht mitsamt dem jüngsten Gerichtsvollzieher kommen : bei mir ist nicht zu holen !

(Arno Schmidt, “Brand’s Haide”, BA I/1, S. 167)

Es ist nicht so eilig, daß es nicht durch Liegenlassen noch eiliger würde !

(Arno Schmidt, “Brand’s Haide”, BA I/1, S. 185)

Das war die Zeit, als R.D. Laing der angesagte Analytiker und Wahnsinn zwar nicht gerade in Mode, zumindest aber eine alternative Sichtweise der Dinge war, grob gesagt, die Verrückten als die wahrhaft Normalen galten.

(Alan Bennett, “Vatertage”, S. 68)

Eigentlich könnte ich noch viel mehr gute Zitate aus dem Buch bringen, aber es würde dann daraus hinauslaufen, das ganze Buch abzuschreiben. Alan Bennett schreibt kurz und prägnant, und jeder Satz ist ein Treffer. Also lasse ich es mit diesem einen Zitat bewenden.

“Cyrus! Daher zu mir!”

Es ist nicht bekannt, in welcher Sprache Hofrat Klementi sich für gewöhnlich mit seinem Hunde verständigte. Vielleicht hatte sich Cyrus in langjährigem  Zusammenleben mit seinem Herrn einige Kenntnisse im Aramäischen oder Vulgärarabischen erworben. Deutsch schien er auf keinen Fall zu verstehen.

(Leo Perutz, “Zwischen neun und neun”, S. 19)

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