Ich hatte ja kürzlich festgestellt, daß  eBooks aus der Maigret-Reihe nicht mehr bei Amazon zu bekommen sind.

Das Problem ist schlimmer, als ich dachte. Freundlicher Weise habe ich auf meine Anfrage beim Diogenes Verlag eine Antwort bekommen. Und die wird Euch nicht gefallen.

Der Diogenes Verlag hat die deutschsprachigen Rechte für alle Romane von George Simenon (nicht nur den Maigret) an die Urheber per 31. August 2016 zurückgegeben. Und darf damit die Bücher nicht weiter verkaufen.

Ich frage mich, was da hinter den Kulissen abgegangen ist. Der Urheber hat die Rechte wohl kaum zurückgefordert, weil der Diogenes Verlag keinen Profit damit erwirtschaftet hat. Die Neuauflagen waren in meinen Augen sehr gut gemacht und ließen sich bestimmt auch gut verkaufen (inklusive eBooks und Hörbücher). Das klingt doch nach einem Urheber, der den Hals nicht vollbekommen kann. Ist Gier eigentlich strafbar?

Ich bin jedenfalls stinksauer!

eBooks können ein Segen oder ein Fluch sein.

Sie sind ein Segen, da sie nach dem Lesen nicht die Regale verstopfen. Kaufen. Lesen. Löschen. Keine Platzsorgen.

Zu einem Ärgernis werden eBooks, wenn man zu einer gedruckten Version, die man mit Sicherheit nur Lesen und nicht Aufheben will, keine entsprechende digitale Version bekommt. Bei älteren Büchern ist das verständlich. Bei neueren nicht. Besonders gemein ist es, wenn es eine digitale Version gab, die plötzlich aus den Shops verschwindet. So geschehen z.B. mit den Maigret-Romanen von Simenon oder dem Armageddon-Zyklus von Hamilton.

Eines meiner Projekte ist die Lektüre aller Maigret-Romane. Da diese genau in die Kategorie Kaufen-Lesen-Löschen fallen, war ich erfreut, dass Diogenes Kindle-Versionen der Romane anbot. Leider musste ich aber heute feststellen, das alle aus dem Kindle-Shop verschwunden sind. Ich hoffe sehr, dass das nur ein vorübergehendes Problem ist. Ich habe Diogenes kontaktiert und warte nun auf deren Feedback.

Gerade bei mehr-/vielbändigen Reihen möchte ich ungern gleich alle Bände auf einmal kaufen müssen, aus Angst, später die weiteren Teile nicht mehr zu bekommen.

datei-07-09-16-14-25-27-kopieMein neuestes Lesezeichen kommt aus Süd-Korea. Es stellt das siebenarmige Schwert dar, das eine wichtige Rolle in der ostasiatischen Mythologie spielt.

Nach meiner Augenoperation letztes Jahr pendelt sich mein Lesekonsum so langsam um die 3000 Seiten pro Monat ein. Das ist ungefähr doppelt so viel wie davor. Dafür haben sich die Schmerzen gelohnt.🙂

Zwei kürzliche Lektüren sind diesmal einer Erwähnung wert.

Ich habe letzte Woche den Armageddon-Zyklus von Peter F. Hamilton beendet. Eine Space Opera, die es in sich hat. 6000 Seiten. Viele ungewöhnliche Völker, Technologien und Ereignisse. Seelen kehren aus dem Jenseits zurück. Und Hamilton schafft tatsächlich den Dreh, das Ganze im Rahmen von Science Fiction zu erklären. Spannend bis zur letzten Seite. Mit einem 100-Seiten-Happy-End. Wer einen langen Atem hat, sollte da unbedingt mal reinschauen.

Und ich habe mal wieder einen ungewöhnlichen Krimi entdeckt – Steinroller: Der Steinzeit-Kommissar“ von Martin Lassberg (Hörprobe). Der Plot ist nichts besonderes. Eine Leiche. Die Suche nach dem Täter. Aber das Setting hat es in sich. Steinroller lebt als Höhlenmaler in einer Homo Sapiens Sippe und wird von seinem Vater zum BesserwisserKommissar befördert, um den Mörder zu finden. Die Geschichte stolpert durch Urwald und Tundra und nebenbei wird die eine oder andere Erfindung gemacht (z.B. das Taschenmesser, das Pfeifen, gefärbte Mini-Lendenschurze). Die Geschichte hat nicht unbedingt viel Tiefgang, aber die Seitenhiebe auf unsere Zeit machen die Lektüre unterhaltsam und kurzweilig. Und falls Otterfang je ein Kochbuch veröffentlicht, wird das bestimmt ein Renner in der Müsli-Szene.

Der Bibliomane auf Reisen folgt natürlich auch unterwegs seinen Bedürfnissen. Der Besuch einer Bibliothek gehört auf alle Fälle dazu. Diesmal verschlug es mich in die Stiftsbibliothek St. Gallen.

Berühmt ist sie hauptsächlich wegen ihres Barocksaales. Und genau das ist das Dilemma. Während der Führung wird auf die Deckengemälde, Heiligenbilder, Regale etc. verwiesen. Ja, aber, wir sind doch in einer Bibliothek. Was ist mit den Büchern? Da guckt außer Typen wir mir keiner hin. Die berühmten, wertvollen Werke sind da nicht zu finden. Das da ist eher Füllmaterial. Ich habe sogar eine Hegel-Ausgabe ausmachen können (lesen Mönche Hegel?).

Zum Glück ist da auch immer eine Sonderausstellung in den Vitrinen. Diesmal ging es um „Abracadabra – Medizin im Mittelalter“. Da schlug mein Herz schon höher.

Touristen sind wie überall auch hier das Übel. Zum Glück waren wir zeitig genug da. Aber als sich im Laufe der Zeit der Saal füllte, stand der Otto-Normal-Duchschnittstourist fasziniert zur bemalten Decke glotzend dem in die Vitrinen Schauenden jederzeit im Wege.

Ach, und noch eine Beobachtung. Auf Fotos wirkt der Saal viel größer als er letztenendes wirklich ist.

Trotz der Touristen und der nur eingeschränkten Möglichkeiten, die wirklich kostbaren Werke zu sehen, ist ein Besuch empfehlenswert.

Ich habe gerade eine Phase, in der ich verstärkt Tagebücher lese.

Da kam zuerst das „Galeerentagebuch“ von Imre Kertész. Ein Tagebuch zentriert nur um eine Person – Imre Kertész. Depression, Selbstmordgedanken, sein Schreiben. Das ist zwar verständlich, wenn man Kertész Geschichte in Betracht zieht. Aber der Zeitraum des Tagebuchs überdeckt historisch wichtige Ereignisse. Die, wenn überhaupt, mit einem Teilsatz Erwähnung finden. Was bleibt ist ein Ausbruch von Klagsamkeit.

Dann las ich „Heute bedeckt und kühl: Große Tagebücher von Samuel Pepys bis Virginia Woolf“ von Michael Maar. Ein ausgewogenes und interessantes Potpourri von Tagebüchern beginnend  bei Pepys bis in die Gegenwart der Blogger.

Als Nächstes war „Kronos: Intimes Tagebuch“ von Witold Gombrowicz an der Reihe. Das war eigentlich nie zur Veröffentlichung gedacht (Gombrowicz schrieb für die Veröffentlichung ein anderes Tagebuch). „Kronos“ ist daher auch mühsam zu lesen. Sprunghaft, fragmentarisch. Zentriert um Geld, Krankheit und die Liste der Sexualpartner. Nur ab und zu mal eine kleine Perle – z.B. der erste Besuch bei Grass wird als langweilig charakterisiert.

Gestern habe ich nun „Leben und Schreiben: Tagebücher 1951 – 1962″ von Martin Walser begonnen. Die Zeichnungen und ein Großteil des Textes wirken wie die Ergüsse eines geistig Verwirrten. Wird hier geistige Tiefe durch Schwurbelei vorgetäuscht?

In Wartestellung sind desweiteren die Tagebücher von André Gide, Erich Mühsam, Klaus Mann und einigen anderen.

 

Raimund Fellinger hat dem Magazin der Süddeutschen Zeitung ein wunderbares, aufschlussreiches Interview gegeben. Unbedingt lesenswert!