Dr. Cäsar Flaischlen hat Ende des 19. Jahrhunderts versucht, die Geschichte der deutschen Literatur und den Einfluß der fremden Literaturen auf deren Verlauf zu visualisieren. Herausgekommen ist dabei die Graphische Litteratur-Tafel. Ein anschwellender Fluss mit vielen größeren und kleineren Nebenflüssen. Eine wunderschöne Grafik, die es Wert ist, wiederentdeckt zu werden.

Es ist mal wieder soweit. Die Welt steht vor den Untergang. Und diesmal sind die Bücher daran Schuld. Und um die Menschen davor zu schützen, werden Trigger-Warnungen gefordert. Wirklich? Sind wir mit dieser $%&#*+ political correctness nun schon soweit gekommen? Kant hatte das damals mit dem Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit aber anders im Sinn. Sollte Bradbury mit „Fahrenheit 451“ doch irgendwann Recht behalten?

Dieser Beitrag enthält neben Buchstaben und Satzeichen jede Menge Wut und Unverständnis.

Nachtrag 1: Was ist eigentlich mit meinen Gefühlen? Die Dummheit solcher Leute verletzt meine Gefühle. Wo bleibt da die Trigger-Warnung?

Nachtrag 2: Political correctness löst keine Probleme. Sie verdeckt oder verschlimmert das Problem bzw. erzeugt neue.

„Allein unter Deutschen: Eine Entdeckungsreise“ von Tuvia Tenenbom ist ein sehr verwirrendes Buch. Ein amerikanischer Journalist macht sich auf den Weg, Deutschland zu erkunden. Was er dabei entdeckt, hat nur bedingt mit dem Deutschland zu tun, wie ich es kenne. Tenenbom interviewt Politiker, Medienschaffende, Wirtschaftsbosse, religiöse Führer und spricht oft mit dem „einfachen Mann von der Straße“. Dabei schlagen ihm Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Ignoranz und Dummheit entgegen. Ich mag dabei Tenenboms Art, bei der ersten Antwort bzw. Nichtantwort nicht aufzugeben. Er fragt und fragt und fragt. Bis der Befragte die Maske entnervt fallen lässt. Einige Textstücke erscheinen leider nur in der amerikanischen und nicht in der
deutschen Buchversion. Warum reißen die Leute die Klappe auf, sind dann aber zu feige, zu dem zu stehen, was sie sagten?

Ich mag Bücher dieser Art, diese Form von Außenansicht. Tenenboms Bücher über Amerika und über Israel sind schon vorgemerkt.

Ich lese gerade „Die Entstehung des Islam: Die ersten hundert Jahre“ von Lutz Berger. Ich muss zugeben, das Buch ist recht trocken geschrieben. Aber es lohnt sich. 

Berger beschreibt detailliert die politische und religiöse Situation in den Regionen, die der Islam in seiner Frühzeit eroberte, und wie diese Regionen dann übernommen wurden. Dabei wird sehr deutlich, das der Islam sich nicht aufgrund religiöser Vorstellungen bzw. religiöser Vorzüge verbreitete. Es war ganz klar ein politisch, militärischer Vorgang. Interessant ist dabei auch, daß anfangs offenbar eine gewisse religiöse Toleranz gegenüber den anderen Völkergruppen und Glaubensrichtungen vertreten wurde. Natürlich nur, insofern diese sich unterwarfen. Aber das hat mit militärischer Gewalt zu tun und nicht mit Religion!

Berger betont auch immer wieder, wie unvollständig und teilweise widersprüchlich die Quellenlage ist. Diese Ehrlichkeit begegnet einem selten in populärwissenschaftlicher, besonders geisteswissenschaftlicher Literatur.

Alles in allem liefert dieses Buch einen interessanten Beitrag zur Debatte über den Islam.

Ich lese gerade „Übers Eis“ von Peter Kurzeck. Der Stil des Buches hat was Getriebenes. Kurze Hauptsätze. Oft fehlen die (Hilfs)Verben. Man gewöhnt sich im Laufe der Lektüre daran, und es zeigt sich, daß der Inhalt mit dieser Form gut korrespondiert.

Die Frage ist nur, warum Rezensenten, Kritiker, etc., sobald ein Autor von der Schulgrammatik abweicht, sofort den Vergleich mit Joyce und Schmidt bemühen. Gibt es keine andere vergleichbare Literatur? Sind die Rezensenten beschränkt und kennen niemand anderen als Joyce und Schmidt?  Sind die Leser beschränkt, und die Rezensenten wollen diese nicht überfordern?

Kurzeck ist nicht der erste Autor, bei dem mir diese Joyce-Schmidt-Keule auffällt. Aber so langsam nervt es!

Bitte, werte Rezensenten und Kritiker, seit kreativer und haltet Eure Leser nicht für dumm.

Die Welt hat sechs (angeblich) unlesbare Romane gelistet. Ich habe keines der Bücher von dieser Liste bisher gelesen. Nur Johnsons Jahrestage habe ich vor ein paar Jahren mal angefangen. Da liegt also noch einiges an Lesearbeit vor mir.

Immerhin habe ich alle gelisteten Bücher in meiner Privatbibliothek vorrätig (manche sogar in mehreren Ausgaben).

Gestern habe ich Hanna Diyāb „Von Aleppo nach Paris. Die Reise eines jungen Syrers bis an den Hof Ludwig XIV.“ beendet. Anfänglich war ich ja nicht so begeistert, aber im Laufe des Buches wurde es doch interessanter. Besonders der orientalische Blick auf die europäische Kultur zeigt deutlich, dass die Arroganz und Überheblichkeit europäischer Nationalisten keineswegs begründet ist. Jede Kultur hat ihre Stärken und Schwächen. Die Mischung macht’s.

Hanna Diyāb sollte auch aus einem anderen Grund berühmt sein. Er hat mehrere Erzählungen zu den Erzählungen aus Tausend und einer Nacht beigetragen (z.B. Ali Baba, Aladin).